BoltRead

Die Räuber: Ein Schauspiel

by Friedrich Schiller

de · ~190 min at 250 WPM

Die Räuber erzählt vom Konflikt zweier ungleicher Brüder aus dem Hause Moor. Karl, der edle, feurige Erstgeborene, wird durch die Intrigen seines hinterlistigen Bruders Franz beim Vater verleumdet und verstoßen. Aus Verzweiflung und gekränktem Idealismus stellt er sich an die Spitze einer Räuberbande in den böhmischen Wäldern und führt einen wilden Krieg gegen eine als ungerecht empfundene Gesellschaftsordnung. Unterdessen verfolgt Franz daheim kalt berechnend sein Ziel, Erbe, Macht und die Braut Amalia an sich zu reißen. Beide Wege münden unaufhaltsam in Schuld, Untergang und Tragödie.

Schillers stürmisches Erstlingsdrama, ein Hauptwerk des Sturm und Drang, stellt Freiheit gegen Gesetz, Gerechtigkeit gegen Rache und die zügellose Kraft des Einzelnen gegen die Schranken der bürgerlichen Welt. Es seziert die Mechanik des Lasters ebenso wie die tragische Verirrung eines großen Geistes. Bis heute fasziniert es durch seine Wucht, seine moralische Tiefe und seine Auflehnung gegen Tyrannei und Heuchelei.

Read this book

How it begins

Man nehme dieses Schauspiel für nichts anderes, als eine dramatische Geschichte, die die Vortheile der dramatischen Methode, die Seele gleichsam bei ihren geheimsten Operationen zu ertappen, benutzt, ohne sich übrigens in die Schranken eines Theaterstücks einzuzäunen, oder nach dem so zweifelhaften Gewinn bei theatralischer Verkörperung zu geitzen. Man wird mir einräumen, daß es eine widersinnige Zumuthung ist, binnen drei Stunden drei ausserordentliche Menschen zu erschöpfen, deren Thätigkeit von vielleicht tausend Räderchen abhänget, so wie es in der Natur der Dinge unmöglich kann gegründet seyn, daß sich drei ausserordentliche Menschen auch dem durchdringendsten Geisterkenner innerhalb vier und zwanzig Stunden entblössen. Hier war Fülle in einander gedrungener Realitäten vorhanden, die ich unmöglich in die allzuengen Pallisaden des Aristoteles und Batteux einkeilen konnte. Nun ist es aber nicht sowohl die Masse meines Schauspiels, als vielmehr sein Inhalt, der es von der Bühne verbannet. Die Oekonomie desselben machte es nothwendig, daß mancher Charakter auftreten mußte, der das feinere Gefühl der Tugend beleidigt, und die Zärtlichkeit unserer Sitten empört. Jeder Menschenmaler ist in diese Nothwendigkeit gesetzt, wenn er anders eine Kopie der wirklichen Welt, und keine idealischen Affektationen, keine Kompendienmenschen will geliefert haben. Es ist einmal so die Mode in der Welt, daß die Guten durch die Bösen schattirt werden, und die Tugend im Kontraste mit dem Laster das lebendigste Kolorit erhält.

Text from Project Gutenberg, public domain.