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Die Liebe: Novelle

by Hans Kaltneker

de · ~75 min at 250 WPM

Aber ihr letztes Ziel wirkt die Liebe, die da stark ist wie der Tod – unter diesem Leitwort entfaltet Hans Kaltnekers Novelle das ekstatische Zwiegespräch zweier Liebender. In glühenden, lyrisch verdichteten Wechselreden bekennen sich Mann und Frau ihre Liebe, beichten einander Verrat, Eifersucht und die Versuchungen des äußeren Lebens. Ihre Vereinigung gerät zur Grenzerfahrung zwischen Himmel und Hölle, in der Begehren und Todessehnsucht ununterscheidbar werden. Doch als der Mann den gemeinsamen Tod fordert, weist die Frau ihn zurück: Noch hätten sie nicht wahrhaft aneinander gelitten und dürften sich um dieses Leiden nicht betrügen.

Kaltneker, früh verstorbener Dichter des österreichischen Expressionismus, verschmilzt mystische Frömmigkeit, Erotik und Todesverlangen zu einer rauschhaften Vision absoluter Hingabe. Die Novelle fragt, ob vollkommene Liebe Selbstaufgabe verlangt – den Verzicht selbst auf das ewige Leben. In ihrer kühnen Bildsprache und ihrem religiösen Pathos bezeugt sie eindrucksvoll das expressionistische Ringen um Erlösung durch das Gefühl.

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How it begins

Aber ihr letztes Ziel wirkt die Liebe , die da stark ist wie der Tod. Und das ist, daß der Mensch auch auf sein ewiges Leben Verzicht leistet und auf alles, was er von Gott und seinen Gaben dereinst empfangen könnte. Magister Ekkehart » Fortis est ut mors dilectio « » I ch liebe dich.« »Ich liebe dich.« Durch einen Regen verklärter Tränen brechen ihre Blicke und finden sich – ein schimmernder Bogen – Gesicht bindend an Gesicht. »Dies – daß es sein kann –« »Daß es nicht sein konnte!« Worte gehen nicht gerade, aufrechte Boten schwebenden Herzschlags von einem zur andern, Worte schwanken, taumeln, sind Mantel um den nackten Gedanken, in den der Sturm fährt, ihn bauscht und knittert, und der Gedanke ist ein strahlender Gott. Worte sind Hall zwischen Himmel und Hölle, Ruf und Gegenruf zwischen dem Wächter unten und oben und die erdämmernde Nacht dröhnt leise von den Rufen der Engel. Der Mann: »Irre – Suchen – immer nur dich –« Die Frau: »Nie gesucht. Seligkeit, gefunden zu werden, sich finden lassen. Ich wußte, wußte, daß du mich finden würdest. O Warten – Jahre des Wartens –! Du warst noch weit, aber manchmal in Nächten fühlte dich näher nahen. Gläser klirrten von deinem entfernten Schritt, Kerze flackerte in deines entfernten Atems Wind und im Schlagen der Uhr metallen donnernd dein Herzschlag. Unendliche Nächte.

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