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Die Frauenfrage: ihre geschichtliche Entwicklung und wirtschaftliche Seite

by Lily Braun

de · ~725 min at 250 WPM

Auf Grundlage vieljähriger Studien unternimmt Lily Braun in diesem 1901 erschienenen Werk den Versuch, die Frauenfrage in ihrem ganzen Umfang darzustellen. Ihr Ausgangspunkt ist die wirtschaftliche Lage der Frau, die sie als entscheidenden Schlüssel zum Verständnis des Problems begreift. Der erste Abschnitt zeichnet die geschichtliche Entwicklung der Frauenfrage und der Frauenbewegung von der Antike über das Christentum, Mittelalter und Renaissance bis ins Revolutionszeitalter nach. Der zweite Abschnitt behandelt eingehend die wirtschaftliche Seite: die ökonomische Lage der Frau in den wichtigsten Kulturländern, den Kampf um Arbeit und die sozialpolitische Gesetzgebung, die sie kritisch prüft.

Braun verknüpft die Frauenfrage untrennbar mit der sozialen Frage und stützt ihre Darstellung auf amtliche Statistiken, Enqueten und quellenmäßige Untersuchungen. Sie beleuchtet bürgerliche wie proletarische Frauenarbeit, Bildung, Mutterschaft und die behaupteten Geschlechterunterschiede. Als grundlegendes Werk sozialistischer Frauenbewegung bleibt es bedeutsam, weil es die ökonomische Selbständigkeit der Frau als Voraussetzung wahrer Emanzipation begreift.

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How it begins

Auf Grund vieljähriger Arbeit habe ich den Versuch unternommen, die Frauenfrage in ihrem ganzen Umfang einer Darstellung zu unterziehen. Meinen Ausgangspunkt bezeichnet das für ihr Verständnis entscheidende Moment der wirtschaftlichen Lage der Frau. Von welcher Seite man auch das weitverzweigte Problem betrachte, die realen Existenzbedingungen des weiblichen Geschlechts innerhalb der Gesellschaft bilden für die Vergangenheit wie für die Gegenwart den orientierenden Ariadnefaden, ohne den das Urteil fehl gehen muss. Nur indem man die ökonomischen Thatsachen nach der ihnen zukommenden Bedeutung wertet, erschließt sich der Zusammenhang der Frauenfrage mit der sozialen Frage, deren integrierender Bestandteil sie ist. Mein Buch giebt zunächst eine gedrängte Geschichte der Entwicklung der Frauenfrage und der Frauenbewegung von den ältesten Zeiten bis zum 19. Jahrhundert. In eingehender Darstellung behandelt es sodann die wirtschaftliche Seite der Frauenfrage, schildert die ökonomische Lage der Frau in den wichtigsten Kulturländern, bespricht die sozialpolitische Gesetzgebung, kritisiert sie, stellt die Grenzen ihres Einflusses fest und wirft einen Ausblick auf die Bedingungen, unter denen eine organische Lösung der Frauenfrage möglich ist. Dem vorliegenden Band, der ein in sich abgeschlossenes Ganzes bildet, wird ein zweiter folgen, der die zivilrechtliche und öffentlichrechtliche Stellung der Frau, die psychologische und ethische Seite der Frauenfrage zum Gegenstand hat. Wie weit mir die Aufgabe gelungen ist, steht dahin, und wird sachkundige Kritik entscheiden.

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