BoltRead

Der Zauberberg. Zweiter Band

by Thomas Mann

de · ~650 min at 250 WPM

Was ist die Zeit? Mit dieser Frage setzt der zweite Band von Thomas Manns „Der Zauberberg" ein und vertieft die Geschichte Hans Castorps, der längst nicht mehr zu kurzem Besuch, sondern als Dauergast im Davoser Lungensanatorium „Berghof" verweilt. Sein Vetter Joachim lehnt sich gegen die unerbittliche „Gaffky-Skala" und das endlose Warten auf Heilung auf und entschließt sich zur eigenmächtigen Abreise ins Flachland. Hans Castorp bleibt, gefangen zwischen geistigen Wortgefechten, der Faszination für Clawdia Chauchat und der seltsam stillstehenden Zeit der Höhe.

Der Roman ist eine große Meditation über Zeit, Krankheit, Tod und die Versuchungen des Geistes. Im hermetisch abgeschlossenen Sanatorium verlieren Stunden, Monate und Jahre ihre Maße, während weltanschauliche Gegenspieler um Castorps Seele ringen. Als Bildungsroman und vielschichtige Auseinandersetzung mit Europa am Vorabend des Ersten Weltkriegs gehört das Werk zu den bedeutendsten der deutschen Literatur des zwanzigsten Jahrhunderts.

Read this book

How it begins

Was ist die Zeit? Ein Geheimnis, – wesenlos und allmächtig. Eine Bedingung der Erscheinungswelt, eine Bewegung, verkoppelt und vermengt dem Dasein der Körper im Raum und ihrer Bewegung. Wäre aber keine Zeit, wenn keine Bewegung wäre? Keine Bewegung, wenn keine Zeit? Frage nur! Ist die Zeit eine Funktion des Raumes? Oder umgekehrt? Oder sind beide identisch? Nur zu gefragt! Die Zeit ist tätig, sie hat verbale Beschaffenheit, sie „zeitigt“. Was zeitigt sie denn? Veränderung! Jetzt ist nicht damals, hier nicht dort, denn zwischen beiden liegt Bewegung. Da aber die Bewegung, an der man die Zeit mißt, kreisläufig ist, in sich selber beschlossen, so ist das eine Bewegung und Veränderung, die man fast ebensogut als Ruhe und Stillstand bezeichnen könnte; denn das Damals wiederholt sich beständig im Jetzt, das Dort im Hier. Da ferner eine endliche Zeit und ein begrenzter Raum auch mit der verzweifeltsten Anstrengung nicht vorgestellt werden können, so hat man sich entschlossen, Zeit und Raum als ewig und unendlich zu „denken“, – in der Meinung offenbar, dies gelinge, wenn nicht recht gut, so doch etwas besser. Bedeutet aber nicht die Statuierung des Ewigen und Unendlichen die logisch-rechnerische Vernichtung alles Begrenzten und Endlichen, seine verhältnismäßige Reduzierung auf null? Ist im Ewigen ein Nacheinander möglich, im Unendlichen ein Nebeneinander?

Text from Project Gutenberg, public domain.