BoltRead

Der Zauberberg. Erster Band

by Thomas Mann

de · ~600 min at 250 WPM

Die Geschichte des jungen Hamburger Hans Castorp, der zu Beginn des Sommers zu einem nur dreiwöchigen Besuch in das internationale Lungensanatorium „Berghof" bei Davos hinaufreist, wo sein Vetter Joachim Ziemßen sich behandeln lässt. Doch die dünne Höhenluft, ein leichtes Fieber und die seltsam fließende Zeit der Bergwelt halten den anfangs harmlosen Gast immer fester umsponnen. Aus drei Wochen werden Monate; Castorp gerät in den Bann der geheimnisvollen Madame Chauchat und lauscht den geistigen Wortgefechten seiner Lehrmeister, des humanistischen Aufklärers Settembrini und seiner Widersacher.

Manns großer Bildungsroman macht das abgeschiedene Sanatorium zum Sinnbild eines kranken, dem Untergang geweihten Vorkriegseuropas. Verhandelt werden Zeit und Vergänglichkeit, Krankheit und Tod, Liebe und die Auseinandersetzung der großen Ideen. Ironisch, vielschichtig und sprachmächtig gehört das Werk zu den bedeutendsten Romanen der deutschen Literatur des zwanzigsten Jahrhunderts.

Read this book

How it begins

Die Geschichte Hans Castorps, die wir erzählen wollen, – nicht um seinetwillen (denn der Leser wird einen einfachen, wenn auch ansprechenden jungen Menschen in ihm kennenlernen), sondern um der Geschichte willen, die uns in hohem Grade erzählenswert scheint (wobei zu Hans Castorps Gunsten denn doch erinnert werden sollte, daß es seine Geschichte ist, und daß nicht jedem jede Geschichte passiert): diese Geschichte ist sehr lange her, sie ist sozusagen schon ganz mit historischem Edelrost überzogen und unbedingt in der Zeitform der tiefsten Vergangenheit vorzutragen. Das wäre kein Nachteil für eine Geschichte, sondern eher ein Vorteil; denn Geschichten müssen vergangen sein, und je vergangener, könnte man sagen, desto besser für sie in ihrer Eigenschaft als Geschichten und für den Erzähler, den raunenden Beschwörer des Imperfekts. Es steht jedoch so mit ihr, wie es heute auch mit den Menschen und unter diesen nicht zum wenigsten mit den Geschichtenerzählern steht: sie ist viel älter als ihre Jahre, ihre Betagtheit ist nicht nach Tagen, das Alter, das auf ihr liegt, nicht nach Sonnenumläufen zu berechnen; mit einem Worte: sie verdankt den Grad ihres Vergangenseins nicht eigentlich der Zeit , – eine Aussage, womit auf die Fragwürdigkeit und eigentümliche Zwienatur dieses geheimnisvollen Elementes im Vorbeigehen angespielt und hingewiesen sei.

Text from Project Gutenberg, public domain.