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Der Struwwelpeter / oder lustige Geschichten und drollige Bilder

by Heinrich Hoffmann

de · ~25 min at 250 WPM

Der Frankfurter Arzt Heinrich Hoffmann erfand diese Sammlung 1844 ursprünglich als Weihnachtsgeschenk für seinen dreijährigen Sohn, weil er im Handel nur trockene, belehrende Bilderbücher fand. In zehn gereimten Geschichten mit drastischen Bildern erzählt das Buch von Kindern, die kleine Regeln missachten – und prompt die Folgen tragen: Der zappelige Philipp stürzt mit dem Stuhl, Paulinchen verbrennt beim Spiel mit Streichhölzern, der Suppen-Kaspar verhungert, der Daumenlutscher Konrad verliert die Daumen an die Schere des Schneiders, und der titelgebende Struwwelpeter erscheint ungekämmt und ungepflegt.

Hinter den grotesk übertriebenen Strafen steht Hoffmanns Überzeugung, dass Kinder nicht durch abstrakte Ermahnungen, sondern durch anschauliche, fast märchenhaft-grausige Geschichten erreicht werden. Das Werk verbindet Erziehung mit schwarzem Humor und einer kindgerechten, plastischen Sprache. Als eines der bekanntesten deutschen Kinderbücher prägte es Generationen, wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und bleibt bis heute ein vieldiskutiertes Zeugnis der Erziehungs- und Bilderbuchkultur des 19. Jahrhunderts.

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How it begins

»Gegen Weihnachten des Jahres 1844, als mein ältester Sohn drei Jahre alt war, ging ich in die Stadt, um demselben zum Festgeschenke ein Bilderbuch zu kaufen, wie es der Fassungskraft des kleinen menschlichen Wesens in solchem Alter entsprechend schien. Aber was fand ich? Lange Erzählungen oder alberne Bildersammlungen, moralische Geschichten, die mit ermahnenden Vorschriften begannen und schlossen, wie: »Das brave Kind muß wahrhaft sein«; oder: »Brave Kinder müssen sich reinlich halten« etc. – Als ich nun gar endlich ein Foliobuch fand, in welchem eine Bank, ein Stuhl, ein Topf und vieles andere, was wächst oder gemacht wird, ein wahres Weltrepertorium, abgezeichnet war, und wo bei jedem Bild fein säuberlich zu lesen war: die Hälfte, ein Drittel, oder ein Zehntel der natürlichen Größe, da war es mit meiner Geduld aus. Einem Kind, dem man eine Bank zeichnet, und das sich daran erfreuen soll, ist dies eine Bank, eine wirkliche Bank. Und von der wirklichen Lebensgröße der Bank, hat und braucht das Kind gar keinen Begriff zu haben.

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