Der Wille zur Macht: Eine Auslegung alles Geschehens
Nietzsche plante ein zusammenhängendes Hauptwerk, das den Gesamtertrag seiner Philosophie übersichtlich darstellen sollte. Seine Erkrankung verhinderte die Vollendung; was blieb, war eine Fülle einzelner Aufzeichnungen aus den Heften seit 1882. Aus diesem Nachlass formten Elisabeth Förster-Nietzsche und Peter Gast diese Ausgabe, die nicht neue Lehren verkündet, sondern den Grundgedanken herausarbeitet: den „Willen zur Macht“ als Auslegung alles Geschehens. Anders als der prophetische Zarathustra will dieses Buch nicht zur Tat aufrufen, sondern lehren, klarlegen und aus Geschichte und Natur erklären, wie Nietzsches Weltdeutung aus ihren Wurzeln erwachsen ist.
Im Zentrum steht der Wille zur Macht als deutendes Prinzip des Lebens, ergänzt durch die Umwertung aller Werte, die Kritik des Christentums und die Zucht eines neuen, großen Menschen, in dem Übermensch und ewige Wiederkehr als Teile eines größeren Ganzen aufgehen. Als Kulturphilosoph fragt Nietzsche nach dem Menschen und seiner Zukunft. Gerade in seiner systematischen, ausgeglichenen Form erschließt dieses unvollendete Werk wie kein anderes die Hauptlinien seines Denkens.
How it begins
Nietzsche hatte die Absicht, in einem zusammenhängenden Werke den Gesamtertrag seiner Lehre darzustellen. Die Titel des beabsichtigten Werkes und die Gesichtspunkte seiner Ordnung wechselten, aber die einheitliche Idee, seine Philosophie übersichtlich darzustellen, blieb bestehen. Es sollten keine neuen Grundideen in dem Werke stehen, keine wichtige Grundlehre verändert werden; das Werk hätte vielmehr beweisen sollen, daß sein Gedankenkreis vom ersten bis zum letzten Werk der gleiche geblieben ist. Alle so verschieden erscheinenden Lehren der einzelnen Entwicklungsperioden sind nur Variationen des gleichen Themas; eine Grundmelodie tönt dem aufmerksam Hinhörenden stets durch. Sie herauszuhören, ist nicht leicht. Denn seine Neigung, die gerade im Vordergrunde stehenden Gedanken, den augenblicklich herrschenden Affekt fast gewaltsam zu betonen, ihm die ganze Kraft seiner eindrucksvollen, überwältigenden Sprache zu leihen, läßt oft die Nebentöne deutlicher vernehmen als den Grundton. Daher wenige Denker so bedächtig gelesen werden müssen, wie der anscheinend so leicht eingehende Nietzsche. Volle, leichte Klarheit hätte daher nur ein solches, die Hauptgedanken allein hervorhebendes Werk bringen können. Darum ist es ein so trauriger Gedanke, daß seine Erkrankung die Vollendung gerade dieses Werkes verhinderte, an dem er vom Jahre 1882 an stets gearbeitet, zu dem er sich ununterbrochen Einzelaufzeichnungen gemacht und Dispositionen entworfen hat.
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