Der Prozess: Roman
Jemand muss Josef K. verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wird er eines Morgens in seiner Pension verhaftet. Zwei Wächter und ein Aufseher eröffnen ihm, dass ein Verfahren gegen ihn eingeleitet sei – doch niemand nennt ihm die Anklage. K. bleibt zunächst frei, geht weiter seiner Arbeit als Bankprokurist nach und versucht, sich gegen das undurchschaubare Gericht zu wehren. Er sucht Anwälte, Mittelsmänner und Frauen auf, dringt in schäbige Kanzleien auf Dachböden vor und verstrickt sich immer tiefer in einen Apparat, dessen Logik er nie begreift.
Kafkas unvollendeter Roman ist ein Schlüsselwerk der Moderne. Er erkundet Schuld ohne Tat, die Ohnmacht des Einzelnen vor einer anonymen Bürokratie und die quälende Sinnsuche in einer undurchschaubaren Welt. Beklemmend, grotesk und vieldeutig, prägte „Der Prozess“ den Begriff des „Kafkaesken“ und bleibt eine erschütternd aktuelle Parabel über Macht, Recht und menschliche Existenz.
How it begins
Jemand mußte Josef K. verleumdet haben, denn ohne daß er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet. Die Köchin der Frau Grubach, seiner Zimmervermieterin, die ihm jeden Tag gegen acht Uhr früh das Frühstück brachte, kam diesmal nicht. Das war noch niemals geschehen. K. wartete noch ein Weilchen, sah von seinem Kopfkissen aus die alte Frau, die ihm gegenüber wohnte und die ihn mit einer an ihr ganz ungewöhnlichen Neugierde beobachtete, dann aber, gleichzeitig befremdet und hungrig, läutete er. Sofort klopfte es und ein Mann, den er in dieser Wohnung noch niemals gesehen hatte, trat ein. Er war schlank und doch fest gebaut, er trug ein anliegendes schwarzes Kleid, das ähnlich den Reiseanzügen [ 2 ] mit verschiedenen Falten, Taschen, Schnallen, Knöpfen und einem Gürtel versehen war und infolgedessen, ohne daß man sich darüber klar wurde, wozu es dienen sollte, besonders praktisch erschien. „Wer sind Sie?“ fragte K. und saß gleich halb aufrecht im Bett. Der Mann aber ging über die Frage hinweg, als müsse man seine Erscheinung hinnehmen, und sagte bloß seinerseits: „Sie haben geläutet?“ „Anna soll mir das Frühstück bringen,“ sagte K. und versuchte zunächst stillschweigend durch Aufmerksamkeit und Überlegung festzustellen, wer der Mann eigentlich war.
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